Stadt- und Lokalklima
Beispiele und Ergebnisse

Seit 1991 erstellt die Dr. Schulz & Partner GmbH Gutachten zu
klimatischen Fragen oder berät Kommunen und andere Auftraggeber
zu klimarelevanten Problemen. Standen in den ersten beiden Jahren nach
Firmengründung noch Stadt- und Geländeklimagutachten
im Mittelpunkt (Stadt Oranienburg, Sondermülldeponie Beesewege in
der Altmark), nahm in den weiteren Jahren das Arbeitsspektrum sowohl
geographisch (im Süden z. B. bis Görlitz und Meißen,
im Norden bis Eberswalde bzw. Greifswald) als auch
inhaltlich zu.
Es wurden Kommunen zur Kurortproblematik beraten oder
Klimaänderungen in der Niederlausitzer Bergbauregion
untersucht.
Bei Stadtklimauntersuchungen wurde das Instrument der Thermalbefliegung
genutzt, bei Klimagutachten für Deponieplanungen wurden Strömungs-
und Ausbreitungsmodelle eingesetzt. Seit 1996 stehen für die Strömungs-
und Ausbreitungsberechnung auch verschiedene Modelle zur Verfügung.
Die firmeneigenen Windenergie-Standortprognosen sind
inzwischen sicherer als WASP-Prognosen.
Bisher fand die Firmen-Arbeitsgruppe Meteorologie/Klimatologie für
jede noch so außergewöhnliche Problemstellung jeweils auch
die passende Lösungsstrategie. Derzeit wird der "planungsorientierte
Klimaatlas Landkreis Oder-Spree" der Öffentlichkeit
vorgestellt.
Obwohl neuartige Aufgabenstellungen ihren besonderen Reiz haben und
die Dr. Schulz & Partner GmbH deshalb jederzeit diesbezüglich
ansprechbar ist, führt die Firma auch die inzwischen zur
Standardleistung gewordenen Stadtklimabegutachtungen sehr gern durch.
Auch beim Klima gilt: Keine Stadt gleicht einer anderen.
 
Klimaanalysen für Städte
oder besondere raumbedeutsame Vorhaben sind zunächst meist
Analysen des vorhandenen lokalklimatischen Gefüges (einschließlich
der bedeutsamen bodennahen Kaltluftbewegungen in austauscharmen
Strahlungsnächten).
Zur
Analyse eignen sich Messungen vor Ort, Modellrechnungen und/oder
Thermalaufnahmen. Die nebenstehende Abbildung zeigt einen Ausschnitt
aus der Thermalkarte im Rahmen der Stadtklimauntersuchung Görlitz
(9. August 1994, 22.25-23.00 Uhr MESZ, Flughöhe 4800 m). In der
Mitte oben ist der überwärmte Bereich in Bahnhofsnähe
zu sehen (hohe Oberflächentemperaturen sind durch die Farben rot,
gelb, weiß dargestellt - der Bereich östlich der Neiße
(polnisches Territorium) ist im Thermalbild nicht bewertet).
Aus dem Thermalbild wird ersichtlich, wo sich Flächen befinden, über
denen sich Kaltluft bildet. Dringt die Kaltluft bzw. Frischluft in die
Bebauung ein, so ergeben sich erwünschte lufthygienische oder
bioklimatische Entlastungen. Im Rahmen der Klimaanalyse ist
herauszuarbeiten, wo sich die entsprechenden Luftaustauschbahnen
befinden. Wesentliche Bestandteile einer Klimaanalyse sind auch die
Planungshinweise, die u. a. die Auswirkungen von Nutzungsänderungen
auf das Lokalklima beschreiben oder die möglichst freizuhaltenden
Freiflächen mit hoher Klimaaktivität kennzeichnen.
Zahlreiche von der Dr. Schulz & Partner GmbH durchgeführte
Klimauntersuchungen in Städten oder in Stadtteilen (Oranienburg,
Meißen, Görlitz oder Frankfurt (Oder)) haben gezeigt, daß
es durchaus unterschiedliche klimatische Wirkungsgefüge in den
einzelnen Städten gibt. Eine Klimaanalyse sollte deshalb stets
auf die konkrete Stadt oder die konkrete Maßnahme zugeschnitten
sein.
 
Ähnliches gilt z. B. für Deponieplanungen.
Hier liegen Erfahrungen aus dem Raum Stendal und aus der Tagebauregion
Cottbus/Jänschwalde vor. Für solche Untersuchungen sind Strömungs-
und Ausbreitungsmodelle sehr geeignet, da mit ihnen die Änderung
des Geländezustandes bzw. der Landnutzung simuliert werden kann.
Messungen zeigen "nur" die lokalklimatischen Bedingungen der
Ausgangssituation.
Das
rechte Bild zeigt einen Ausschnitt (zwischen Grötsch und Klein
Briesnig) aus einer Strömungsfeldberechnung für einen Raum östlich
von Cottbus (1994 mit dem Modell REWIMET berechnet).
 
Die
Dr. Schulz & Partner GmbH verfügt über ein bis in die
40er Jahre zurückreichendes lückenloses
Wetterdatenarchiv (tägliche
Wetterkarten und verschiedene Jahrbücher). Für die Zeit
davor bestehen zwar einige Lücken, es kann aber ersatzweise auch
auf verschiedene Einzelveröffentlichungen von aufbereiteten
Datenreihen zurückgegriffen werden. Die nebenstehende Abbildung
zeigt Beispiele für Zeitreihen der Lufttemperatur und der Häufigkeit
bestimmter Zirkulationsformen. Mittels Tiefpaßfilterung können
kurzperiodische Schwankungen unterdrückt werden.
Ein Anwendungsfall der historischen Daten und der "Werkzeuge"
für die Zeitreihenbearbeitung war die 1995 bearbeitete Historische
Klimaanalyse für zwei ausgewählte Gebiete der Niederlausitzer
Bergbaufolgelandschaft .
Im Zusammenhang mit der Fragestellung, ob die intensive Bergbautätigkeit
(Braunkohlentagebau) im Südosten Brandenburgs bzw. in der
Niederlausitz regionalklimatische Auswirkungen hatte, wurden
Zeitreihen verschiedener Klimaelemente von Meß- und
Klimastationen der Region untersucht. Dabei konnte z.B. ein deutlicher
Rückgang der mittleren jährlichen Niederschlagsmengen in
einem Gebiet südlich von Lübben im Zehnjahreszeitraum 1982-
1991 (örtlich über 100 mm/a Defizit) als Folge der
Leewirkung des Lausitzer Grenzwalls bei einer deutlichen Zunahme
zonaler Zirkulation in diesem Zeitraum erklärt werden.
Der Lausitzer Grenzwall bildet die Fortsetzung des Flämings
auf der östlichen Seite der Dahme. Als östlicher Flügel
des südlichen Landrückens in Deutschland besitzt er
beachtliche Höhen (z.B. Höllenberg westl. Luckau 150 m), ein
örtlich recht bewegtes Relief und ein teilweise noch gut
erhaltenen glazialen Formenschatz (SCHOLZ 1962).
Ein Zusammenhang zu der Bergbauaktivität in dem untersuchten
Gebiet konnte auch in anderen Zeiträumen nicht hergestellt
werden. Zwar ändert sich das Mikroklima in und in unmittelbarer Nähe
der Gruben, regionale Auswirkungen (im Sinne einer Fernwirkung) waren
jedoch nicht nachweisbar. Auch bei den Temperaturverhältnissen
(Vergleich mehrerer Stationen untereinander) wurde der Einfluß
sich langfristig ändernder Häufigkeiten bestimmter
Zirkulationsformen spürbar.
 
Das jüngste Produkt, der Klimaatlas
für den Landkreis Oder-Spree, umfaßt über
400 Seiten
mit 17 großen Klimakarten u. a.
|
Jahresmittel der Lufttemperatur
Lufttemperatur in Strahlungsnächten Zahl der Frosttage
Mittlere Niederschlagshöhen
Windrichtungsverteilungen
Windgeschwindigkeitsmittel in 10, 40 und 70 m ü. Grund
mittlere jährliche Windleistung
Windnutzungsgebiete
Kaltluftbildung und -abfluß
Klimaeignung Wohnen
Klimaeignung Industrie/Verkehr |
und zahlreichen, in den Text eingefügten kleinformatigen
Kartendarstellungen (Lufttemperatur im Juli/Januar,
Lufttemperaturjahresschwankung, Zahl der Tage mit Wärmebelastung,
Sommerniederschläge, Winterniederschläge, maximale
Tagessummen des Niederschlags, Zahl der Nebeltage, Jahressummen der
Gebietsverdunstung, bioklimatische Bewertung, Durchlüftung,
Erholungseignung u. a.). Die Erstellung der Karten erfolgte durchweg
numerisch. Bis auf wenige Ausnahmen (Windrichtung und Niederschlagshöhen)
wurden für alle Karten bzw. Themen die Klimawerte für
einzelne Raster mit einer Kantenlänge von 100 m berechnet. Für
jeden "Rasterpunkt" lagen Informationen über
Landnutzung, Höhe, Geländeneigung und Exposition am Punkt
selbst und in verschiedenen Umgebungsradien vor. Aus Meßwerten
(Messungen erfolgten von 1994 bis 1996) und den Daten benachbarter
DWD-Klimastationen (u. a. 10393) sowie den Eigenschaften an den Meßpunkten
innerhalb des Landkreises wurden für jedes einzelne Klimaelement
Modellbeziehungen entwickelt.
Das
linke Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Lufttemperaturverteilung in
Strahlungsnächten.
(Gebiet um den Scharmützelsee)
Das nachfolgende Bild gibt (stark vereinfacht) die Klimaeignungskarte
Industrie/Verkehr wieder.

 
Im Klimaatlas Oder-Spree ist auch eine ausführliche
Beschreibung des Windpotentials enthalten. Windenergieprognosen
werden auch im Binnenland immer häufiger nachgefragt.
Da das bekannte und vielfach genutzte Wind Atlas Analysis und
Applikation Program (WASP) für flächenhafte Berechnungen und
Darstellungen nur sehr umständlich zu handhaben ist, wurde ein
firmeneigenes Windmodell entwickelt.
Zunächst wird die mittlere Bodenwindgeschwindigkeitsverteilung
(10 m über Grund) berechnet. GERTH/CHRISTOFFER 1994 (Windkarten
von Deutschland, Meteorol. Z. N.F. 3, Heft 2, S. 67-77) hatten bei
bundesweiten Untersuchungen festgestellt, "daß der
prozentuale Hindernisanteil im Umkreis von 500 m um die Station ein
geeignetes Maß ist", um den Einfluß der Landnutzung
auf die Windgeschwindigkeit zu berücksichtigen.
Bei den Auswertungen im Landkreis Oder-Spree ergaben sich mit diesem
Hindernisanteil zunächst ungenügende Ergebnisse. Deshalb
wurden zusätzlich Hindernisanteile im 300 m -, 1000 m - , 1500 m
- , 2000 m -, 3000 m - und 4000 m - Umfeld bestimmt. Im Ergebnis
stellten sich die Hindernisanteile im 300 m - und 3000 m - Umfeld als
beste Prediktoren heraus (beste Anpassung bei Verknüpfungen
beider Werte). Dieses rein "rechnerisch" gewonnene Ergebnis
ist plausibel, da angenommen werden kann, daß Freiflächen
von 6 km Durchmesser im Mittel höhere Bodenwindgeschwindigkeiten
aufweisen als solche von 1 km Durchmesser.
Für die Modellierung der Windgeschwindigkeiten in Höhen
oberhalb 10 m über Grund konnten 2jährige Windmessungen an
einem 45 m hohen Mobilfunkmast ausgewertet werden (4 km südöstlich
der DWD-Station Lindenberg (Kennung 10393)). Verschiedene Profilansätze
wurden überprüft. Bereits KLOSE 1988 (
Radiosondenwindprofile, Abh. Meteorol. Dienstes DDR Nr. 140, Berlin,
S. 43-48) hatte in Auswertung der Lindenberger Radiosondenaufstiege
festgestellt, daß dem linear-logarithmischen Ansatz "der
Vorzug gebührt". Die Auswertung der Meßdaten ergab, daß
nur der linear-logarithmische Ansatz zufriedenstellende Näherungen
des vertikalen Windprofils geben kann.
Getrennte Untersuchungen der Windprofile nach Tages- und Jahreszeit
(und der Anströmungsrichtung) zeigten die markantesten Wechsel
der Profilbedingungen zwischen Tag und Nacht. Nachts wird das
Windprofil deutlich weniger von der Bodenrauhigkeit beeinflußt
als am Tage. Die aus den Meßdaten bestimmten (richtungsabhängigen)
Rauhigkeitslängen z0 entsprachen im wesentlichen den Werten, die
aus den Höhen der Rauhigkeitselemente unter Verwendung von
Abklingfunktionen folgen. Somit konnten flächendeckende
Berechnungen des "Höhenwindes" erfolgen.
Das Windpotential (die spezifische Windleistung) verbleibt etwas
unter den Werten, die das WASP-Modell für gleiche Standorte
prognostiziert. Insbesondere fällt auf, daß WASP wesentlich
niedrigere Werte des Formparameters k der Weibullnäherung
annimmt, als es aus den Messungen und Modellierungen im
Oder-Spree-Raum folgt (auch bei Umrechnung auf Klimazeiträume).
Eine Erklärung dafür wäre, daß das WASP-Modell im
stärker kontinental beeinflußten Binnentiefland den nächtlichen
Stabilitätseinfluß "unterschätzt".
Die
nebenstehende Abbildung zeigt die Häufigkeitsverteilungen der
Windgeschwindigkeitswerte und entsprechende Weibullnäherungen
tags und nachts am Meßstandort Buckow (bei Beeskow) in 45 m Höhe
über Grund. Rückrechnungen der realen Energieerträge
von bereits installierten WKA im Südosten Brandenburgs auf
mittlere langjährige Erträge ergeben ebenfalls
Windleistungen, die unterhalb der WASP-Prognosen bleiben.
Die jeweils aktuellen Arbeitsergebnisse wurden auf verschiedenen
Fachtagungen vorgestellt, zuletzt durch einen Posterbeitrag zur
Fachtagung METTOOLS III des Fachausschusses "Umweltmeteorologie"
der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft vom 10. bis zum 12. März
1997 in Freiburg.
 
Dr. Schulz & Partner GmbH
Dr. K.-H. Schulz e-mail |